Wissenswertes für Tierärzte


Sachverständiger, ein verkanntes oder unbekanntes Berufsziel?

Am 3. Dezember 2010 fand in Berlin eine Fortbildung unter dem Titel „der Tierarzt als öffentlich vereidigter und bestellter Sachverständiger vor Gerichten und im Auftrag von Versicherern und Betrieben“. Die Tätigkeit bezieht sich u.a. auf folgende Gebiete:

  • Lebens- und Futtermittel

  • Trinkwasser

  • Nahrungsergänzungsmittel

  • Kosmetika

  • Tierhaltungen

In erster Linie richtete sich diese Fort- bzw. Weiterbildungsveranstaltung an amtliche Tierärzte. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass es nicht schaden kann sich im Berufsleben weitere „Standbeine“ aufzubauen. Aus dieser Sichtweise möchten wir alle Tierärzte ansprechen, sich auch in andere Berufsrichtungen zu orientieren. Jeder Tierarzt mit Dissertation, Fachtitel oder Zusatzbezeichnung ist eigentlich im weiteren Sinne schon ein Sachverständiger. Wir lassen nur das Potential in uns ungenutzt schlummern. Häufig mangelt es ganz einfach nur am Selbstvertrauen etwas Neues, Anderes zu beginnen. Wir Tierärzte müssen lernen mutig auf die Dinge zuzugehen. In der täglichen Praxis kommen die Leute zu uns; hier müssen wir entschlossen auf die Menschen, von denen wir etwas wollen, zugehen. Andere Berufe wie Biologen, Lebensmittelchemiker etc. kennen eine so „edle“ Zurückhaltung nicht. Sie präsentieren sich der potentiellen Klientel wie selbstverständlich als die Sachverständigen schlechthin.

Der Begriff Sachverständiger ist nicht gesetzlich geschützt und wird natürlich dementsprechend auch eingesetzt. Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige hingegen ist gesetzlich geschützt. Unser Kollege Dr. Hans-Georg Basikow aus Berlin arbeitet seit vielen Jahren, der vermutlich einzige Tierarzt in der BRD, als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Er ist gegenwärtig die treibende Kraft den Tierärzten dieses neue Berufsziel mit Können und Engagement näher zu bringen. Der Bedarf an Sachverständigen mit tierärztlichem, landwirtschaftlichem Hintergrund etc. ist zweifellos vorhanden. Das notwendige Know How, also die Grundlagen einen neuen Beruf, auf tierärztlichem Fundament, zu erlernen, wird in mehreren Weiterbildungsveranstaltungen vermittelt. Träger ist der bpt und hier im Besonderen die TSL. Eine Mitgliedschaft bei der TSL macht sich bei den Kursen finanziell deutlich bemerkbar. Hier erhalten Sie auch die weiteren Termine für die Kurse.

Um es nochmals zu verdeutlichen, der Bedarf an Sachverständigen ist gegeben. Besondere Nachfrage dürfte in den nächsten Jahren in Tierschutzangelegenheiten entstehen. Aber Sie können sich selbstverständlich in Ihrem speziellen Fachgebiet anbieten und darin als Sachverständiger arbeiten. Der Erweiterung Ihres persönlichen Wissenshorizontes sind allerdings keine Grenzen gesetzt. Zielsetzung ist es sich innerhalb von maximal drei Jahren zum öffentlich vereidigten Sachverständigen ausbilden zu lassen. Dabei sind Objektivität, Überparteilichkeit, Weisungsfreiheit Grundvoraussetzungen für den Eid. Ein Verstoß gegen diese Pflichten stellt eine Straftat dar. Bewerbungen sind nach der Handwerksordnung und der Gewerbeordnung möglich. Zur Grundausstattung für Ihre Tätigkeit gehören z.B. ein Einstich-Infrarot-Thermometer, ein Luxmeter etc. und nicht zuletzt einige gute Nachschlagewerke, die Wissenslücken erschöpfend ausfüllen.

Auftraggeber sind sehr oft Versicherungen bei Schadens- oder Betrugsfällen. Zu beurteilen gilt es meist das Gefährdungspotential für den Menschen.

Man kann die Veranstaltung auf dem Gebiet der Sachverständigenweiterbildung nur empfehlen. Kollege Basikow besticht durch Praxisnähe und lebendige Gestaltung des Unterrichts. So gelingt es ihm eine uns relativ unbekannte Materie bildhaft näher zu bringen und Perspektiven zu eröffnen. Nutzen Sie also die Zukunft, die Gegenwart ist schwer genug.

Dr. Paul Münsterer



2019 TBV-OBB