Wissenswertes für Tierärzte


Gentechnik und Patente auf Pflanzenzucht, bzw. Tierzucht

Informationsabend mit Dr. Christoph Then am 21.09.2010

Ein Kurzbericht von Dr. Paul Münsterer

Gegenwärtig sind die Patentanträge in diesem Bereich stark im Steigen, während erteilte Patente momentan stagnieren. Relativ neu ist, dass Monsanto Patentanträge auch auf dem Segment Tierzucht stellen will. Mögliche Folgen sieht man in der Pflanzenzucht und hier speziell beim Saatgut, nämlich stark steigende Preise. Dies rührt natürlich unter anderem auch daher, dass Monsanto gewaltig in den Kauf von Saatgutfirmen investierte und somit zum Branchenführer heranwuchs. Diese Investitionstätigkeit hat eine Monopolstellung zur Folge mit den bekannten wirtschaftlichen Auswirkungen.

Effekte der Patentanmeldung durch Monsanto:

Die Erfolgsrate gentechnischer Manipulation ist gering, zudem eine geringe Vorhersehbarkeit der Effekte, nicht zuletzt ein Mangel an präziser Kontrolle

Die Patentanmeldung muss jedoch einen Nutzen nach sich ziehen. So wurde z.B. ein Patentantrag von Monsanto auf Broccoli gestellt. Dieser ist gentechnisch so verändert, dass sich in diesem Broccoli ein krebsrisiko-mindernder Inhaltsstoff, das Glucosinolat, befindet. Der Patentantrag wird aber letztendlich auf die gesamte Pflanze und auch auf den Samen gestellt. Man erhofft sich so eine Art „Türöffner“ insbesondere natürlich für andere Pflanzen. Hintergedanke ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein zu erwartendes monopolistisches Preisdiktat auf dem Lebensmittelmarkt, das im Endeffekt der Verbraucher bezahlen muss. Das “Broccoli“-Urteil ist noch nicht gesprochen.

Mittlerweile werden nur noch sog. Ergebnisse patentiert, so z.B. Meßergebnisse von Inhaltsstoffen, von phänotypischen Merkmalen, von Resistenzen, ferner Genomanalysen und Mutationszüchtungen. Dies stellt aber einen deutlichen Missbrauch des Patentrechts dar.

Pflanzen:
Hier wird diese Technik heute hauptsächlich verwendet, um Pflanzen genetisch zu verändern. Dabei benutzt man als Vektor hauptsächlich das Agrobacterium tumefaciens, das sich in die pflanzliche DNA einbaut und in der Pflanze zu unkontrolliertem Wachstum führt. Wenn man das tumorauslösende Gen aus der Bakterien-DNA entfernt erhält man einen Vektor, mit dem man eine Fremd-DNA einschleußen kann. Das gelingt am besten bei Protoplasten, das sind junge Pflanzenzellen, deren Zellwand enzymatisch entfernt wurde.
Damit schafft man es zum Beispiel eine Pflanze gegen Herbizide, Pestizide oder Insektizide immun zu machen, damit man die Pflanzen mit noch giftigeren Substanzen gegen Schädlinge und Krankheiten spritzen kann. Die Immunisierung von Pflanzen gegen Schädlingsgifte hat aber auch negative Auswirkungen, denn wenn z.B. ein Insekt von einer solchen Pflanze frisst, kann es unter Umständen die Immunitätsgene in seine DNA aufnehmen und ist selbst gegen das Insektengift immun. Es würde die Immunität an seine Nachkommen weitergeben und man bräuchte bald ein neues Gift. Außerdem hat diese Methode auch noch den nachteiligen Effekt, dass immer mehr Gift verwendet wird, das sich schließlich auch auf Menschen auswirkt.
Man kann aber auch Gene einbauen die für schnelleres Wachstum sorgen oder für längere Haltbarkeit der Pflanzenfrucht. Mittlerweile ist die Gentechnik sogar soweit, dass man eine Tomate mit Erdbeergeschmack züchten könnte.

Tiere:
Auch bei Tieren kann man die Gentechnik anwenden. So kann man zum Beispiel in eine Maus das Gen für das Wachstumshormon von Ratten verpflanzen. Die Maus wächst dann schneller und wiegt schließlich doppelt soviel wie eine gewöhnliche Maus. Ebenso kann man auch Schweine durch das menschliche Wachstumshormon schneller wachsen lassen. Der Nachteil davon ist jedoch, dass die Gewichtszunahme für das Schwein eine große Belastung ist und wenn Kinder in der Wachstumsphase derartig verändertes Fleisch essen, kann es auch sein das auch sie durch die Wachstumshormongene deutlich größer werden.
Inzwischen ist es aber auch schon gelungen auf einer Maus ein menschliches Ohr wachsen zu lassen. Dies könnte in der Zukunft ein großer Vorteil für die Medizin sein. Man könnte Organe künstlich herstellen und diese dann transplantieren. Pflanzen-Tiere Quellen: Daumer "Genetik" (S. 128-134), "Molekulargenetik" (S. 72,)



Bei Kühen gibt es ein Gen für höhere Milchleistung und veränderten Fettgehalt. Ferner die Genom Selektion. In diesem Fall wird dann der Patentantrag auch auf die Milch, den Käse, die Butter und das Fleisch erweitert. Der Verbraucher zahlt, wie schon gehört, den Preis.

Wenn z.B. gentechnisch veränderter Soja an Schweine verfüttert wird, so entsteht im Fleisch als positiver Effekt ein höherer Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Der Patentantrag bezieht sich nach Unternehmenslogik durch den Gen-Soja auf das gesamte Schwein und in Folge auch auf das später hergestellte Schweineschnitzel. Somit muss der Verbraucher durch das Monopol den für das Unternehmen wirtschaftlichsten Preis bezahlen.



Was könnte nun durch die Ohrstanzung geschehen?

Ermittlung von Leistungsmerkmalen, Krankheiten, Herkunftsnachweis

Ein möglicher Missbrauch wäre: Patentierung, Handel mit Daten

Es fehlen ganz einfach rechtliche Regelungen, also wem gehören die Daten, wem die Proben, wer hat Zugriff? Dürfen die Stanzungen und deren Ergebnisse patentiert werden?

Es wäre sinnvoll die Ohrstanzungen zum Anlass zu nehmen rechtliche Regelungen durchzusetzen. Der TGD hat zwar die Zusage gegeben, dass die Proben Eigentum der Landwirte sind und ordnungsgemäß verbrannt werden nach Gebrauch, aber wenn in fünf Jahren ein neuer TGD-Chef an der Spitze steht, könnte dieser auf die Daten der Altproben der Stanzungen zurückgreifen und sie weiterveräußern. (Dr.Then)

Diese Aussage ist fachlich wohl schwer haltbar, da man in fünf Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit durch das System der Stanzungen alle Virämiker gefunden hat und ein neues Untersuchungssystem greifen dürfte.

Den Wunsch nach rechtlicher Regelung, also Rechtssicherheit für alle in diesem Segment Tätigen, kann man wohl unterstützen. Sollten allerdings permanent, weitergehende, unqualifizierte Diskussionen über die Tierseuchenbekämpfung stattfinden, dann ist deren ordnungsgemäße Durchführung nicht mehr gewährleistet. Im akuten Fall wird dann zunächst diskutiert und erst in zweiter Linie gehandelt. Ob es dann allerdings nicht schon zu spät ist für eine erfolgreiche Seuchenbekämpfung, dieser Frage muss sich auch das Ministerium stellen.

Mitveranstalter waren:

Abl, BDM, BBV, demeter, IggT, Bioland, Bio-Kreis, Zivilcourage, Naturland,

Organisation: Veronika Maria Bichlmayr (Heilpraxis)



2019 TBV-OBB