Wissenswertes für Tierärzte


FAQs zu Tuberkulose

Fachinformation für Tierärzte

Was versteht man unter Tuberkulose bei Rindern?
Tuberkulose bei Rindern ist eine anzeigepflichtige, meist chronisch verlaufende Infektionskrankheit. Infizierte Tiere bleiben meist über lange Zeit klinisch unauffällig, so dass tuberkulöse Organveränderungen häufig erst bei der Fleischuntersuchung im Rahmen der Schlachtung auffallen. Leistungsrückgang, Abmagerung oder chronischer, therapieresistenter Husten können auf eine klinisch-manifeste Erkrankung hinweisen. In der Erstinfektionsphase entwickelt sich eine granulomatöse Entzündung mit knötchenförmigen Veränderungen (Tuberkel) an der Eintrittspforte und in den regionären Lymphknoten (Primärkomplex). Die Veränderungen finden sich je nach Infektionsweg an den Kopflymphknoten, im Respirations- oder im Gastrointestinaltrakt. Danach treten verschiedene Verlaufsformen auf. Bei der Frühgeneralisation bilden sich granulomatöse Läsionen in verschiedenen Organen, u. a. in der Leber und in der Niere sowie an den serösen Häuten (Miliartuberkulose). Die chronische Organtuberkulose betrifft meist ein Organ, häufig die Lunge. In der terminalen Niederbruchsphase kommt es durch hämatogene Ausbreitung zur Spätgeneralisation. Die generalisierenden Verlaufsformen werden i. d. R. von einem Zusammenbruch des Immunsystems eingeleitet.

Durch welche Erreger wird die Tuberkulose des Rindes hervorgerufen?
Die Tuberkulose wird von Mykobakterien verursacht. Mykobakterien sind langsam wachsende, grampositive, unbewegliche Stäbchen, die sich besonders durch ihre Säure- und Alkoholfestigkeit und damit einer hohen Umweltstabilität (Tenazität) auszeichnen.

Die Erreger der Rindertuberkulose M. bovis und M. caprae gehören zum sogenannten Mycobacterium tuberkuculosis Complex (MTC). In diesem werden für den Menschen obligat, pathogene Mikroorganismen zusammengefasst.

Welche Übertragungsmöglichkeiten bestehen bei der Rindertuberkulose?
Rindertuberkulose wird in der Regel über Speichel und Milch aerogen oder oral übertragen. Tuberkulose bei Rindern ist eine sogenannte Zoonose, das heißt der Erreger kann vom Tier auf den Menschen oder umgekehrt vom Menschen auf Tiere übertragen werden.

Tritt die Tuberkulose auch bei Wildtieren auf?
Die Erreger der Rindertuberkulose können auch bei Wildtieren nachgewiesen werden. Im Alpenraum konnte beim Rotwild (Hirsch, Reh) M. caprae nachgewiesen werden. Wildtiere wie der Dachs in England, der Fuchskusu in Neuseeland und der Weißwedelhirsch in den USA stellen ein dauerhaftes Reservoir für M. bovis dar.

Wie erfolgt die Diagnostik?
Beim sogenannten Tuberkulintest handelt es sich um einen Hauttest, bei dem die Hautreaktion in Form einer lokalen Entzündung mit Hautdickenzunahme nach Einbringen von Tuberkulin in die Haut gemessen wird. Anhand der Zunahme der Hautdicke kann auf eine vorliegende Tuberkuloseinfektion geschlossen werden.

Beim gamma-Interferontest (Bovigam®-Test) handelt es sich um einen ELISA (Enzyme linked immunoadsorbent assay). Mit diesem Test wird im Blut die Menge des zirkulierenden gamma-Interferons gemessen, das von durch den Kontakt mit dem Tuberkuloseerreger spezifisch stimulierten, weißen Blutkörperchen ausgeschüttet wird. Generell empfiehlt es sich zur Feststellung der Tuberkulose möglichst verschiedene zugelassene Testmöglichkeiten in sinnvoller Kombination einzusetzen, um die Sicherheit des Infektionsnachweises zu optimieren.

Am toten Tier umfasst die Untersuchung auf Tuberkulose die mikroskopische Untersuchung des Probenmaterials auf säurefeste Stäbchen, den molekularbiologischen Direktnachweis aus dem Organgewebe durch eine real-time PCR sowie die Kultur auf festen und flüssigen Nährmedien. Die Kultur ist die sensitivste Nachweismethode und gilt nach wie vor als Standard. Durch das langsame in vitro Wachstum von tuberkulösen Mykobakterien dauert der Kulturnachweis bis zu acht Wochen.

Ist Deutschland frei von Tuberkulose bei Rindern?
Mit Entscheidung 97/76/EWG wurde Deutschland als "amtlich frei von Rindertuberkulose" anerkannt.

Wie wird der Status der Tuberkulose-Freiheit bei Rindern in Deutschland überprüft?
Auf Grund der stabilen Tuberkulosefreiheit wurden die Untersuchungen der Rinder mittels Tuberkulintest (Jahr 2009) eingestellt und durch Untersuchungen im Rahmen der amtlichen Fleischuntersuchung ersetzt. Bei Feststellungen im Rahmen der amtlichen Fleischuntersuchung sowie bei klinischem Verdacht erfolgt nach wie vor die Untersuchung mittels Tuberkulintest.

Wie ist die aktuelle Lage in Deutschland und Bayern?
Im Jahr 2011 wurden in Deutschland lediglich fünf Fälle von Tuberkulose bei Rindern festgestellt, zwei davon in Bayern. Im Jahr 2012 wurden deutschlandweit bisher 21 Fälle bei Rindern festgestellt, 17 davon in Bayern.



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