Patente auf Leben, die moderne Versklavung?

Patente auf Krebsmaus und Gen-Mais, wir noch selbständig Denkende begegnen diesem Geschehen fast schon gefährlich nahe der Routine in einer Welt voller industrieller Gier nach Macht und Herrschaft über das Leben. Diese finanzgierige Welt befindet sich vermutlich am Beginn eines neuen Zeitalters. Nach der industriellen Revolution und der Ära des Computers folgt nun der industrielle Eingriff in das Leben, die Genmanipulation. Patente auf Kühe, Schweine, Weizen, Reis und Gemüse sind wohl in naher Zukunft Realität. Wer aber das Leben beherrscht, beherrscht die Menschen. Damit aber immer noch nicht genug. Ist innerhalb der EU der freie Wettbewerb geradezu eine heilige Kuh, so ist auf dem Gensektor das krasse Gegenteil erkennbar, Monopoltendenzen mit dramatischen Auswirkungen auf Landwirtschaft und unser aller Leben. Wer das Monopol der Tierzucht sein eigen nennt, der ist Herr über die Nutztierhaltung. Er besitzt "Rechte" an den Tieren, er regelt den Markt. Gleiches gilt für vermeintliche Nebenschauplätze wie Fischzucht, Geflügelmarkt oder Ackerbau. Der Mensch gerät infolgedessen in die Abhängigkeit skrupelloser Geschäftemacher, für die Leben nur Gewinnmaximierung bedeutet. Unter dem Deckmantel der Beschwichtigung, der Verharmlosung und der Fortschrittspropaganda entwickelt sich ein neues Machtzentrum bisher unbekannten Ausmaßes. Dieses so kreierte Lebensmittelmonopol lässt das Nord-Südgefälle noch weiter anwachsen. Der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern droht der endgültige Kollaps. Daraus resultiert eine politisch hochexplosive Mischung aus Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Ungewissheit, welche die friedliche Koexistenz der Völker bedroht. Der größte Trumpf der Genmanipulateure ist jedoch die Ignoranz der Menschen. Eine Ignoranz, die auf Unwissenheit und Desinformation großer Teile der Bevölkerung beruht. Im Vakuum dieses Wissensdefizits wächst eine gigantische Industrie heran, die machthungrig alles bisher Bekannte an marktbeherrschendem Industriemonopolismus in den Schatten stellen dürfte. Wer sich an den Genen aus monetären Gründen versucht, der fordert Gott. Wer sich zum Herrn über die Gene stellt, beschreitet einen nicht mehr umkehrbaren Weg. Wohin der eingeschlagene Weg die Menschheit führt, ist mehr als ungewiss. Diese Ungewissheit zu ignorieren ist verantwortungslos und ein Zeichen wissenschaftlicher Dekadenz.

Ich bin der Ansicht, wir Tierärzte, als Verantwortungsträger im Verbraucherschutz und als die berufenen Tierschützer, haben uns in dieser lebensentscheidenden Frage zu positionieren. Wir sollten uns von profitorientierter Gentechnik und der Möglichkeit der Genpatentierung offiziell distanzieren. Dies sind wir schon den nachfolgenden Generationen schuldig, denn sie sind gegenwärtig nicht in der Lage das wertvollste, was es zu besitzen gibt zu schützen, das Leben.

Paul Münsterer
1. Vors. TBV OBB



2019 TBV-OBB